Chronik einer Première

1. März 2018

13:37 – Der Künstler nimmt in der Autobahn-Raststätte Thurau die Henkersmalzeit ein: Zwei Holzfäller-Schnitzel mit Pommes.

Dabei weiss doch jedes Kind, dass das überhaupt nicht gesund ist und nur die Arterien und die Venen verstopft, die Gehirnwindungen zusammenklebt und das Gedächtnis zukleistert.

16:09 – Auf der Bühne des Casinotheaters Winterthur geht der Künstler hin und her und die Texte ein letztes Mal durch.

Das ist ihm wichtig, kein Wunder, mehr macht er ja bei seinen Auftritten nicht, als hin und her gehen und Texte aufsagen. Aber gell, auf das Wie kommt es halt vor allem an.

19:59 – Der Künstler ist nicht auf dem Bild aber dafür die Zuschauer. Gleich gehts los!

Mit dem Alter hat man zwar mehr Charakter aber weniger Haare. Vor allem am Hinterkopf, da fängt es an mit dem Aufhören. Wahrscheinlich wegen dem Denken oder wegen den Hormonen.

20:00 – Pünktlich auf die Minute beginnt der Künstler die Première mit Accent grave und einem Blumenstrauss vom Aldi.

Es gibt keine zweite Chance, einen ersten Eindruck zu machen. Das Hemp ist vom Italiener. In der Pause wird er ein Identisches anziehen und kein Mensch wir es merkten. Wahnsinn!

20:17 – Der Künstler erklärt dem Publikum die komplexe Mechanik des Weltalls und warum nirgends auch überall bedeutet.

Die grosse Geste und erst noch mit Musik untermalt. Und immer noch ein hohes Tempo nach 17 Minuten Spielzeit, das Publikum freut sich. Bald wäre ein Tor fällig.

20:32 – Der Künstler behauptet: Mit der RhB führen nur Leute, die zu dumm für die Prüfung oder zu geizig für ein Auto seien.

Eine bitterböse Nummer und ausserdem ein seltsamer Konjunktiv II (führen). Das ist zwar korrekt, tönt aber nicht so. Gottseidank ist das Programm nicht Hochdeutsch.

20:47 – Der Künstler macht Kunst. Zum Glück ist es schnell vorbei.

Rolf Schmid hinterfragt die Evolution. Und das Publikum frag sich: wozu. Ein Einzeller hat die Antwort parat. In Sachen Mimik geht er aufs Ganze.

21:03 – Der Künstler macht wieder lustig, der Saal tobt. – Also eigentlich sind es vor allem die Leute im Saal.

Als Gemeindepräsident von Güggelturatsch bewirbt der Künstler das langweilige Bündner Feriendorf, das sogar eine eigene Hompage hat: www.gueggelturatsch.ch

21:34 – Der Künstler erlärt dem erstaunten Pubilkum, warum ein Kilogramm seiner Bio-Äpfel nur 500 Gramm wiegt.

Natürlich weil die Äpfel keine prallen Super-Bomber sind, sondern gruusig verschrumpelte, kleine Krüppeli. – Aber gell, Hauptsach Bio!

21:55 – Der Künstler versucht es nun mit der Brechstange – und das mit Erfolg!

Der Meister des Kalauers kalauert sich eins ab. Das Publikum schmeisst sich weg vor Lachen. Es ist so lustig, dass sogar das Kostum auseinanderfällt. The end is near.

22:04 – Der Künstler bekommt eine Standing Ovation. Das ist ihm too much. Er schickt das Publikum sofort nach Hause.

Im Foyer wird Weisser und Roter aufgefahren. Und alle die noch fahren müssen, dürfen zuschauen. Rolf wir mit Lob überschüttet und muss nicht mehr fahren: Prost! Gut gemacht!